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Klopapier – der ultimative Klinkenschutz? Das möchte ich liebend gern genauer wissen

Von Xenia Brühl, 02.04.2020

Was das Corona-Virus so alles bewirken kann! Erst kürzlich hatte ich mal wieder ein klein wenig rbb gesehen – und dabei dann rein zufällig das Folgende entdeckt, das nur so – ganz nebenbei – am Ende einer „Abendschau“ erwähnt worden war: Klopapier als Klinkenschutz.

Nein – das ist tatsächlich kein Witz. Und diese These könnte durchaus auch erklären, warum die ganzen Käufer so besonders scharf auf Klopapier sind! Also habe ich mich drangesetzt, mich in das Thema eingelesen.

Nach einer kurzen detaillierten Suche stoße ich auf die „Wetterauer Zeitung“. Diese berichtet über einen genialen Tüftler aus Bad Nauheim namens Lutz Krüger. Dieser würde inzwischen via WhatsApp erklären, wie man sich besonders effektiv im Alltag vor Corona schützen kann: mit einer Rolle Klopapier an Türklinken. [1]

Seine Idee zu „Clinkie“, wie er diesen Einfall nannte, wäre ihm ganz plötzlich gekommen (Zitat): „Ständig muss man etwas anfassen. Dafür wollte ich etwas erfinden.“ [1] Wirklich ein echt kluger Gedanke!

Nach so einigen Vorabexperimenten finden er und seine Frau heraus, dass man nur eine Klopapierrolle mit wenigen restlichen Blättern braucht, diese an eine Schnur hängen muss – und jene Schnur letztendlich über die eigenen Schultern drüberführen kann. Dadurch ist sehr clever garantiert, dass die Rolle ständig griffbereit ist – weil sie vor jedem Einzelnen am eigenen Bauch herunterbaumelt. [1]

Wenn man eine Tür öffnen muss, einfach nur die Klorolle greifen, diese über die Türklinke ziehen – und das Ganze runterdrücken. Durch die Rolle wird eine direkte Berührung mit den Keimen auf der Türklinke verhindert. [1] Das Fazit des Bad Nauheimer Tüftlers Krüger fällt insofern schlüssig aus (Zitat): „Die Leute haben jetzt so viel Klopapier zu Hause, da bietet sich meine Erfindung geradezu an.“

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Lutz Krüger, Tüftler aus Bad Nauheim: „Ständig muss man etwas anfassen. Dafür wollte ich etwas erfinden.“
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Inzwischen hat er seine Idee verstärkt perfektioniert: Und dabei dann noch zusätzlich erkannt, dass einfachste PVC-Schläuche beim Schutz vor diesen fremden Erregern ebenso gut helfen können. Sie müssen nur in ganzer Länge aufgeschnitten werden – woraus ein cleverer Handgriff für die Einkaufswägen entstehen kann. [1] Das Ganze funktioniere übrigens genau wie bei den Türklinken, man könne sogar damit eigene Schlüssel prima umdrehen. [1]

Wirklich gewievt, dieser geniale Bursche. Auf so eine Menge Erfindungsgeist muss man erst mal kommen! Aber diesen haben leider nicht alle – weshalb das Ganze mit dem Klopapier stattdessen in eine gefährliche Entwicklung geht.

Hier lohnt sich ein detaillierter Blick auf die Webseite ingenieur.de . Wie diese schreibt, greift der Hype um alle Klopapierrollen inzwischen weiter um sich. Weil sie so schnell vergriffen sind, werden erstmals Küchenrollen und Feuchttücher entdeckt – und das Ganze geht von vorne los; das eigene Verhalten wird auch hier nicht hinterfragt [2]… Ist es sinnvoll, derart viel Papier zu kaufen? Und wer zahlt wirklich für den ganzen Irrsinn drauf, der nur aus unsrer Unsicherheit und Panikmache entstanden ist?

Wie Christian Böttcher, Sprecher des Bundesverbands des deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) erklärt, seien die Absätze von Klopapier alleinig nur von Februar bis März 2020 um 700 Prozent gestiegen. [2] Dabei würden einige zu regelrechten Klopapier-Sammlern, die bei sich zu Hause längst den Überblick verloren hätten. Andere dagegen könnten nix von diesen Übermengen abhaben – und würden stattdessen erfolglos durch die Läden ziehen… [2] Dies ist Egoismus in der allerreinsten Form, den wir heutzutage nicht brauchen.

Ist den unzähligen Klopapier-Hamstern eigentlich bewusst, dass nur normales Klopapier im Wasser schnell zerfasert? Und dass sich letzten Endes auch nur Klopapier selbst auflösen kann? Küchenrollen und Taschentücher hingegen nicht?

Letztere sind wesentlich stabiler. Sie halten sogar einem Waschgang in der Waschmaschine stand. [2] Und wenn wir dann noch ungebremst das Zeug in unser Klo reinschmeißen, sorgen wir am Ende nur für eine noch viel schnellere Verstopfung unsrer Abwasserleitung. [2]

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Christian Böttcher (BVLH): Die Absätze von Klopapier sind Februar bis März 2020 um 700 Prozent gestiegen
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Daraufhin dann mal ganz schnell den nächsten Installateur aufsuchen? Keine gut durchdachte Idee! Denn Installateure sind auf Grund der aktuellen Krisenlage ihrerseits längst ausgebucht. [2] Zusätzlich vergrößert sich dadurch, dass die Handwerker in Wohnungen gelassen werden, dort dann auch das eigene Infektionsrisiko – denn: Handwerker sind eine der „systemrelevanten Gruppen“, die vor allem gesundheitlich gesehen an Corona leiden… Woher sollen diese armen Menschen wissen, wer vor ihnen an die Oberflächen rangefasst hat, die sie ihrerseits da grade berühren? Mit bloßen Händen – weil sie auf Grund der ansonsten ausbleibenden Griffigkeit nicht mit Handschuhen arbeiten können?

Wissen ihre Kunden denn womöglich nicht einmal, dass die entsprechenden Stellen kontaminiert sind? Können sie die Handwerker insofern nicht vor Ansteckung warnen? Wirklich zwingende Gesundheitsfragen, wenn man über Handwerker spricht. Und dem dauernden Risiko, dem sie täglich ausgesetzt sind.

Dann lieber statt den Küchenrollen Feuchttücher ins Klo werfen? Dies ist noch einmal idiotischer – denn Feuchttücher bestehen aus synthetischen Fasern und Textilfasern. Diese wiederum können sich in Wasser gar nicht auflösen – womit eine nächste Verstopfung der Leitung bestens garantiert ist. [2]

Alles nicht so wirklich schön… Da ist es wahrhaftig ein Befreiungsschlag, in der österreichischen „Kronenzeitung“ lesen zu dürfen, dass eine Frau aus Missouri in den USA auf Grund massiven Klopapiermangels anderweitig aktiv geworden ist: sie näht jetzt all ihr Klopapier selbst! Womit sie nix mehr nachkaufen muss! [3] Angeblich wäre ihr gut wiederverwendbares Material waschmaschinentauglich – und würde von der Frau für zwischen 15 und 35 Dollar angeboten (umgerechnet entspricht das einem Wert zwischen 13 und 31 Euro). [3]

Hat diese Frau, ohne es von sich aus selbst zu wissen, nicht automatisch einen Schlüssel in die Zukunft aufgezeigt? Liegt hier nicht ein wirklich langfristig erfolgreicher Weg, den wir problemlos gehen können? Um unsere Umwelt gesund zu halten? Ein interessanter Gedanke… Denn bislang sieht das Zukunftsszenario folgendermaßen aus – wenn man weiter wegwerfbares Klopapier in Massen ordert:

Wie die Tropenwaldstiftung „Oro Verde“ über ihre Webseite „regenwald-schuetzen.org“ berichtet, haben die Deutschen schon jetzt bereits den weltweit höchsten Papierverbrauch pro Kopf. Gemeinsam mit den USA. [4] Diese Nachfrage muss ständig neu gedeckelt werden – was dann wiederum zur Folge hat, dass die Industrie in mit Regenwald gesegneten Ländern immer weitere Flächen zerstört. Und für wirtschaftliche Zwecke ausrichtet: Auf ihnen werden schnellwachsende Hölzer gepflanzt, um unsere Lust nach mehr Klopapier zu stillen. [4]

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Feuchttücher können sich im Wasser gar nicht auflösen
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Allein in den letzten 30 Jahren hat sich so der Webseite zufolge – nicht nur an das Klopapier gebunden – die weltweite Papierproduktion auf 400 Millionen Tonnen insgesamt geradezu verdoppelt [4]. Unser vieles Klopapier ist nur ein Teil dieses wahnsinnigen Kreislaufs… Wenn jetzt aber durch Corona eine noch stärkere Nachfrage erzeugt wird, weil alle Hamsterkäufer weiter alles leerkaufen – und in Folge dessen noch mehr schnellwachsende Hölzer gepflanzt werden – hat das schließlich die vollkommen logische gefährliche Entwicklung, dass wir durch unser aller (Kauf-)Verhalten zur stärkeren Abholzung des Regenwalds mit beitragen. Diese sogar noch beschleunigen! Was dann letzten Endes für uns nicht mehr irgendwie zugutekommt – denn wir brauchen unsren Regenwald, um Klimaschwankungen dauerhaft konstant zu halten.

Im Regenwald sind große Mengen Kohlendioxid gespeichert, die dieser von sich aus völlig automatisch aufnimmt. [5] Des weiteren werden vom Regenwald noch Dunstwolken vermehrt gebildet, die einen Schutzfilm um die Erde legen. Dieser reflektiert das Sonnenlicht – und trägt insofern dazu bei, die Erdoberfläche vor allzu massiver Erderwärmung zu schützen. [5]

Würden wir den Regenwald dagegen komplett abholzen, wäre diese Schutzfunktion nicht länger gegeben. Und die Temperaturen dieser Erde würden stärker ansteigen – letztendlich womöglich unsre Existenzgrundlage vernichten… Ein Teufelskreis, den wir ja nicht einschlagen sollten – denn wir können darin nur verlieren. Wir, die kleinsten Räder im Getriebe eines langfristig erneuernden Prozesses. Nicht nur unsres eigenen Lebens, sondern auch der Umwelt – ihres naturellen Gleichgewichts.

Fehlender Regenwald kann hier zu einer Störung des regionalen Wasserhaushalts führen. [5] Diese wiederum trägt ihrerseits mit dazu bei, dass noch erheblicher Erosion und Erdrutsche auftreten. Die dortige Umgebung nicht zur Ruhe kommt. [5]

Und, was auch sehr wichtig ist: Für Landwirtschaft zerstörte Gebiete können keine Blattflächen ersetzen, die von sich aus gewährleisten, dass Wasser verdunstet. Wasser, das sich danach dann in Wolken fängt – und später wieder abregnet. [5] In Folge dessen wird es durch mehr trockene, „aride“ Zonen (so werden nämlich all diejenigen Gebiete genannt, auf denen durch die vollständige Abholzung des Regenwalds die Blattflächen verschwunden sind) für uns nicht nur trockener, sondern heißer. [5]

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Vom Regenwald werden Dunstwolken gebildet, die vor Erderwärmung schützen
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Ob den meisten Hamsterkäufern dieses Wissen geläufig ist? Wahrscheinlich eher nicht… Deshalb spielen sie auch weiter Egoisten, nehmen Anderen das Klopapier weg – und zerstören dadurch nicht nur stärker unseren Planeten, sondern auch noch in unsrer Gesellschaft mitmenschlichen Zusammenhalt.

Auch, wenn all das Klopapier an sich soweit nix wirklich Schlimmes ist – und sogar noch nachhaltig ist, weil es sich ja um ein Produkt natürlich nachwachsenden Rohstoffs handelt – ist dies eben nur die halbe Wahrheit. Aber immerhin besser als Plastik, das verglichen zu Papier noch erheblich länger braucht, um vollständig zersetzt zu sein.

Bei unser aller Papierverbrauch kommt es stattdessen auf ganz andere Faktoren an: die Menge der Personen, die Papier sinnlos verbrauchen. Wenn diese durch eigene Dummheit, Panik oder Unwissenheit ihr zutiefst verschwenderisches Ich-Verhalten weiterhin nicht ändern, wird dies unser Regenwald dann nachträglich zu spüren bekommen. Durch verstärkte Abholzung wird Existenz von Lebensraum vernichtet; seine reiche Artenvielfalt ist schon jetzt bereits gefährdet. [4]

Wollen wir das wirklich? Sicher nicht. Deshalb sollten wir beim Kauf unseres Klopapiers den eigenen Verstand einschalten – und das Hamstern aufhören.

Quellen:
[1] Wetterauer Zeitung: https://www.wetterauer-zeitung.de/wetterau/bad-nauheim-ort78877/nauheimer-tueftler-geht-viral-sich-einer-klorolle-corona-schuetzt-13611014.html
[2] ingenieur.de: https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/umwelt/corona-klopapier/
[3] Kronenzeitung: https://www.krone.at/2126850
[4] regenwald-schuetzen.org: https://www.regenwald-schuetzen.org/verbrauchertipps/papier/regenwald-stirbt-fuer-klopapier/
[5] faszination-regenwald.de: https://www.faszination-regenwald.de/info-center/zerstoerung/klima.htm

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